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Die heilige Weiblichkeit und die Kirche

Vor einigen Monaten bin ich eines schönen Abends zu einer Veranstaltung des Bremer Doms gegangen. Ein Taizé-Gesangsabend stand auf dem Programm. (Gesungene Gebete. Ihr Ursprung liegt in der französichen Taizé-Gemeinschaft) - Ich war in der Stimmung für meditative Gesänge, hatte Lust zu singen und dachte, im Dom mit der tollen Akustik und den vermutlich vielen Menschen könnte es ein sehr entspannter und wohltuender Abend für mich werden. Weit gefehlt... 

 

Vorab muß ich sagen, dass ich seit Jahren so gut wie gar keine Berührungen mehr hatte mit der Kirche. Nach all den tiefen spirituellen Erfahrungen, die ich in den vergangenen Jahren gemacht habe, machte es überhaupt keinen Sinn, das Göttliche in einem Kirchengebäude oder einem Buch zu suchen. 

 

Naja, da saß ich nun, bereit, mich zutiefst zu entspannen, eine Kerze in der Hand (alle Besucher bekamen eine). Der riesige Dom war besetzt bis zum letzten Stuhl und es herrschte eine feierliche Atmosphäre. Ein bisschen wie Weihnachten kurz vor der Bescherung. Schön eigentlich. Aber dann fingen wir an zu singen. Viele Lieder. Und in jedem dieser Lieder wurde der heilige Vater im Himmel besungen oder sein Sohn. Erster Widerstand regte sich in mir. Und dann trat ein aus Taizé weit angereister Kirchenmann vor die Menschenmasse und fing an über Gott zu reden. Er erzählte irgendeine Geschichte aus der Bibel - an den Inhalt erinnere ich mich nicht mehr. Sicher ging es um den heiligen Vater oder seinen Sohn.

 

 

Und da saß ich nun und spürte eine Wut in mir, die immer größer wurde, je länger ich diesem Mann zuhörte und wir diese merkwürdigen Lieder sangen. Erst wunderte ich mich über diese starken Gefühlsregungen, aber dann verstand ich: Es fehlte etwas ganz Entscheidendes! Wo um alles in der Welt hatte hier in der Kirche das göttlich Weibliche seinen heiligen Platz? Wo und wann wird Mutter Erde geehrt? Kein Wort von der heiligen Tochter, der heiligen Mutter, der Göttin. Schlicht - kein Wort von der heiligen Frau. Und dieser Mann da vorne - er wiederholte uralte Geschichten aus einem Buch und sprach über den Himmlischen Vater. Aber er hat Gott nie erfahren. Er verehrte mit keinem Wort die heilige Schöpfung. 

 

Nie zuvor konnte ich so sehr die Jahrhunderte spüren, die hinter uns liegen, in denen das Heilige Weibliche aus der Kirche und dem Glauben verbannt und verbrannt wurde. Ich weiß seit geraumer Zeit um das Erwachen der neuen Weiblichkeit, das gerade stattfindet. Ich erlebe es hautnah durch mein eigenes weibliches Sein. Und ich bin vernetzt mit sehr vielen Frauen, die ebenfalls kraftvoll daran mitwirken. All die Zeit wußte ich, dass dies eines der wesentlichen Themen unserer Zeit ist, damit unser Planet überleben kann. Aber nie zuvor - bis zu diesem Kirchenausflug - konnte ich so sehr spüren, wie es zu dieser Abspaltung des göttlich Weiblichen kommen konnte.

 

Mich freut es unglaublich zu sehen, wie überall auf der Welt Frauen zurück finden in ihre ursprüngliche Weisheit. Mögen wir dem Göttlich Weiblichen den heiligen Platz zurückgeben, den es verdient. Die Erde braucht diese weibliche Kraft und Weisheit so dringend!